Hetze gegen Marika Schmiedt – widerständige Roma-Positionen werden kriminalisiert

Die Arbeiten der Künstlerin Marika Schmiedt thematisieren die Situation für Roma in Europa und benennen die Kontinuitäten seit der NS-Zeit; dabei weist sie u.a. auf die bedrohlichen Zustände in Ungarn hin.

Die ungarische Botschaft in Österreich und rechtsextreme ungarische und österreichische Portale führen eine Hetzkampagne gegen die Wiederholung ihrer Ausstellung „Die Gedanken sind frei“ – Angst ist Alltag für Roma in EUropa im Linzer Rathaus. Das Schreiben des ungarischen Botschafters beruft sich auf die juristische „Experten“-meinung einer Kooperationspartnerin von Jobbik. Der Künstlerin wird der Tatbestand der Volksverhetzung, „Ungarn-feindlichkeit“ und Rassismus vorgeworfen.

Dadurch wird eine kritische Roma-Positionierung zensiert, die Arbeit von Marika Schmiedt skandalisiert und es findet eine Umkehrung statt, in der Roma als rassistisch dargestellt werden.
Mit dieser Kriminalisierung einer widerständigen Roma-Perspektive werden alle Roma kriminalisiert, die sich gegen die unhaltbaren Zustände zur Wehr setzen.

Tatsache ist, dass Roma das Recht haben Widerstand gegen die Kontinuitäten seit der NS-Zeit zu leisten,
welche unsere Leben in Gefahr bringen und uns eine menschenwürdige Daseinsberechtigung absprechen.

In Ungarn müssen sich Roma täglich gegen rassistische Angriffe wehren.
Die verbotene Ungarische Garde organisiert seit Jahren Anti-Roma-Aufmärsche.
Im August 2012 forderte Jobbik auf einer Demonstration in Devecser die Todesstrafe für Roma.
Der Anführer der Betyársereg sprach von Rassenkrieg und ethnischen Säuberungen.
Die Kriminalität sei der „Zigeunerrasse genetisch eincodiert“.
Die Redner wurden wegen Hetze gegen eine Minderheit angezeigt, aber die ungarische Polizei stellte die Ermittlungen ein, weil die Hetze keinen Strafbestand erfüllte.

Die Einführung des Rassismusparagraphen dient nicht dem Schutz der Roma.
Im November 2009 organisierte Jobbik in Sajóbábony eine Kundgebung, an der über 600 Mitglieder der Ungarischen Garde teilnahmen. Im Zeitraum von 2008-2009 gab es eine Serie von Morden an Roma.
Die Bedrohung und die Schutzlosigkeit stiegen enorm an und mehrere Roma aus Sajóbábony haben bewaffneten Widerstand geleistet. Im Oktober 2013 wurden neun von ihnen wegen Rassismus an den Magyaren zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Am 04. Oktober 2013 hat ein Roma-Netzwerk einen Flashmob mit dem Namen
„Die Polizei soll den Nazis nicht assistieren!“ mit 30 Personen vor dem Innenministerium organisiert.
Die Menschen protestierten mit Transparenten auf denen „Wir dienen und schützen“ durchgestrichen
und stattdessen „Wir selektieren und schützen“ zu lesen war. Die Polizei nahm die Personalien des Roma-Aktivisten Jenő Setét auf und erstattete Anzeige, weil der Flashmob angeblich nicht angemeldet und genehmigt gewesen sei.

Im Februar 2012 hat die ehemalige Europaparlaments-Abgeordnete Victoria Mohácsi aus Angst um ihr Leben Ungarn verlassen und politisches Asyl in Kanada beantragt. Es ist sehr schwierig für die Roma-Aktivistin Asyl zu bekommen und nicht abgeschoben zu werden. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, dass die ungarische Polizei bei der Aufklärung der Mordserie an Roma nicht weiter die Beweismaterialien manipulieren konnte, und dass überhaupt nach den Mördern gefahndet wurde.
Als sie 2009 in Tatárszentgyörgy an einen der Tatorte kam, weigerten sich die Polizeibeamten, die abgefeuerten Patronen als Beweismittel anzuerkennen und zu sichern. Sie erklärten die Explosion infolge eines Elektrizitätsbrandes zur Ursache der Ereignisse. Das Haus einer Roma-Familie wurde attackiert, in Brand gesetzt und als der 27-jährige Róbert Csorba mit seinem fünf-jährigen Sohn Robi im Arm aus dem Haus floh, wurden die beiden erschossen. Robis sechs Jahre alte Schwester Bianca wurde von mehreren Kugeln getroffen und überlebte schwer verletzt.

Viele Roma flüchten aufgrund von Morddrohungen nach Kanada. In Kanada sind Roma nicht willkommen und werden als „betrügerische Flüchtende“ bezeichnet. Als im Juni das Gesetz C-31 verabschiedet wurde verschlimmerte sich die Lage, da für asylsuchende Menschen (auch Kinder) seitdem die Regierungsbefugnis auf Inhaftierung gilt. Im Dezember 2012 befanden sich mehr als 210 Erwachsene Roma und 40 Kinder in Inhaftierungsanlagen der Stadt Toronto in Gewahrsam.
Die Abschiebeknäste sind von Maschendrahtzäunen und Stacheldraht umringt und die Fenster sind vergittert.

Die Kriminalisierung der Kunst von Marika Schmiedt durch offizielle ungarische Vertreter_innen ist gefährlich und muss im Zusammenhang mit der zunehmenden Verfolgung von Roma in Europa gesehen werden. Die Diskreditierung von widerständigen Roma-Positionen kann als Bestätigung für bisherige und Rechtfertigung für weitere repressive Gewalt gegen Roma dienen. Umso besorgniserregender ist im Falle der aktuellen Bekämpfung der Kunst von Marika Schmiedt die reibungslose Zusammenarbeit extrem rechter politischer Kräfte mit staatlichen ungarischen Institutionen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Akteur_innen hier eine Kunst bekämpfen, die auf Kontinuitäten aus der NS-Zeit aufmerksam macht.

Der Paria hält die Solidarisierung mit Marika Schmiedt für unerlässlich, weil mit ihr die gesamte Roma-Freiheitsbewegung kriminalisiert wird. Besonders empört sind wir über die Komplizenschaft des Obmanns österreichischer Roma Rudolf Sarközi mit den ungarischen Nationalisten. Siehe hier unseren Offenen Brief an Sarközi.

Das Wegsehen, Ignorieren und Schweigen gegenüber den Kontinuitäten aus der NS-Zeit mit Blick auf Roma und weitere unterdrückte Gruppen ist eine Zustimmung zu den aktuellen Verhältnissen.
Menschen, die Dinge aufzeigen, hinterfragen, dekonstruieren und sich für die Befreiung von Roma und unterdrückten Gruppen einsetzen, werden zur Bedrohung stilisiert.

Der Paria
Filiz Demirova, Georgel Caldararu

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UPDATE: Ausstellung die Gedanken sind frei – dorf.tv Redaktion

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2 thoughts on “Hetze gegen Marika Schmiedt – widerständige Roma-Positionen werden kriminalisiert

  1. Es ist mir ein retzel Der Roma Welt kongres hat seinen sitz in Budapest was haben die unternomen gegen diese pogrome unseres volkes oder sind die nur dafür dass sie di gelder der auslendishe Donatoren werwalten und misbrauchen.

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